Jack RowlandGeschichten über Liebe, Schuld und Vertrauen

Leseprobe

Jack & Clara · Band 3

Die gekaufte Verbindung

Kapitel 1: Zwei Zellen

Jack saß allein in der kleinen, kargen Kammer hinter dem Ort seines Schicksals. Der Raum war kühl, fast leer, mit kahlen Wänden, die ein unheimliches Echo trugen. Eine schwere Holztür trennte ihn von der tobenden Menge draußen, und durch die schmale Lücke darunter drang das dumpfe Dröhnen von tausend Stimmen und die wummernden Basslinien der Musik.

Seine Kehle fühlte sich trocken an, wie ausgedörrt, und er konnte kaum schlucken. Mit rauer Stimme, fast ein Flüstern, brachte er die Worte hervor: „Kann ich noch ein Glas Wasser bekommen?“ Seine Worte klangen wie ein letzter Wunsch.

Der Mann neben ihm, gekleidet in einen makellos sitzenden Anzug, musterte ihn einen Moment lang, ohne Eile, und stand dann auf. Ohne ein Wort trat er zu der kleinen Karaffe auf dem wackeligen Tisch, goss Wasser in ein schlichtes Glas und stellte es vor Jack ab. „Trinken Sie“, sagte er ruhig, beinahe gleichgültig, „aber lassen Sie uns nicht zu lange warten.“

Jack nahm das Glas mit festen Händen, trank langsam und tief. Das Wasser war kühl, klar, und obwohl es die Trockenheit in seiner Kehle linderte, brachte es keine Ruhe in seinen Geist. Doch als er das Glas zurückstellte, setzte sich etwas in ihm. Er richtete sich auf, seine Schultern straff, seine Haltung gerade – wie ein Soldat, der sich auf die Schlacht vorbereitet. Seine innere Stärke begann sich in seiner Haltung zu spiegeln.

Jacks durchtrainierter Körper wirkte wie gemeißelt, jeder Muskel definiert, bereit, sich seinem Schicksal zu stellen. Er trug einen maßgeschneiderten dunkelgrauen Anzug, der perfekt saß und seine athletische Figur betonte. Die scharfen Linien des Sakkos folgten den Konturen seines breiten Rückens und seiner kräftigen Schultern, während die Hose seinen Bewegungen mühelos nachgab. Das weiße Hemd darunter war makellos, und der schwarze Gürtel mit der schlichten, glänzenden Schnalle saß präzise an der Hüfte. An den Füßen trug er polierte Lederschuhe, die mit jedem Schritt leise auf dem Boden klangen.

Sein Gesicht war ruhig, fast maskenhaft, doch die Entschlossenheit in seinen dunkelbraunen Augen verriet die innere Kraft, die ihn vorwärts trieb. Ein leichter Bartschatten umrahmte seinen festen Kiefer, und sein dunkelbraunes Haar war akkurat zurückgekämmt, als wollte er jedem Zeichen von Chaos in seinem Äußeren trotzen. Trotz der Spannung, die in der Luft lag, wirkte er wie ein Mann, der wusste, dass er das Gewicht des Augenblicks tragen konnte – egal, was ihn hinter der Tür erwartete.

Der Mann neben ihm erhob sich, glättete den Stoff seines Anzugs und sagte mit leiser, aber unerbittlicher Stimme: „Es ist Zeit. Wir müssen.“

Jack atmete tief durch, ein langsamer, kontrollierter Atemzug. Sein Blick wanderte zur Tür, die sich wie ein dunkler Schatten über ihn erhob. Er wusste, dass seine nächsten Schritte ihn an den Ort führen würden, an dem Entscheidungen endgültig waren und keine Änderungen mehr rückgängig gemacht werden konnten. Aber er zögerte nicht.

Mit festem Schritt ging er voran, seine Haltung unverändert. Die Tür war nur noch einen Herzschlag entfernt, doch Jack war bereit. Bereit, sich dem Unausweichlichen zu stellen. Bereit, das Ende zu akzeptieren – oder einen neuen Anfang zu schaffen.

Nach Verlassen des Zimmers kamen sie in eine Art Vorzimmer, kühler und offener als der kleine Raum zuvor, aber nicht weniger bedrückend. Jack blinzelte kurz, als das grelle Licht der Deckenlampen seine Augen traf. In der Mitte des Raums standen zwei Menschen: sein Vater, mit seiner selbstgefälligen Haltung, und neben ihm Candy, die junge Frau, die er nun seine Frau nannte. Ihr blondes Haar glänzte fast so künstlich wie das zu breite Lächeln, das sie Jack schenkte.

„Hier kommt der Verurteilte“, sagte sein Vater mit einer Stimme, die halb spöttisch, halb anmaßend klang. „Auf dem Weg zu seiner Hinrichtung.“

Jack blieb stehen, blickte zu seinem Begleiter, der keine Regung zeigte. Offensichtlich hatte der Mann nichts dagegen, ihm diesen Moment zu gewähren. Jack trat langsam vor, seine Schritte hallten auf dem kühlen Boden wider, und blieb schließlich direkt vor seinem Vater stehen.

„Ein letztes Mal, Dad“, sagte Jack, seine Stimme leise, aber bestimmt, „lass mich dich fest drücken.“ Sein Vater zögerte einen Moment, dann öffnete er die Arme. Es war eine herzliche Umarmung, aber Jack hielt ihn fest, länger als er sollte, als würde er etwas greifen wollen, das längst nicht mehr da war. Schließlich löste er sich, drehte sich zu Candy und schaute sie mit einem flüchtigen Lächeln an. „Schade, dass wir uns erst so kurz kennen.“

Candy legte den Kopf schief, ihr Lächeln verlor nichts von seiner aufgesetzten Freundlichkeit. „Das macht nichts“, sagte sie. „Ich möchte dich auch drücken.“ Sie trat einen Schritt vor und legte ihre Arme um Jack. Ihre Umarmung war warm, fast unangemessen herzlich, als hätte sie ihn tatsächlich ins Herz geschlossen. Jack spürte den süßen Duft ihres Parfums und fragte sich für einen kurzen Moment, ob sie ihn vielleicht wirklich mochte – oder ob sie einfach genauso spielte wie alle anderen in diesem Raum.

Als sie sich lösten, nickte Jack beiden kurz zu, dann wandte er sich an seinen Begleiter. Der Mann in seinem makellosen Anzug zeigte mit einer knappen Geste auf die nächste Tür. „Es ist Zeit. Wir müssen.“

Jack zögerte einen Augenblick, ließ seinen Blick noch einmal durch das Vorzimmer gleiten. Die kühle, sterile Atmosphäre des Raumes verstärkte die Spannung, die wie ein unsichtbares Gewicht auf seinen Schultern lastete. Sein Vater, Jack Senior, stand in seiner typischen Haltung – aufrecht, mit der Gelassenheit eines Mannes, der immer die Kontrolle behielt. Seine silbernen Haare waren sorgfältig zurückgekämmt, und in seinen scharfen, grauen Augen lag ein Funkeln, das Stärke und Selbstbewusstsein ausstrahlte.

Jack konnte nicht anders, als ihn zu bewundern. Selbst in diesem Moment, in dem die Welt kurz vor einem unaufhaltsamen Wendepunkt stand, hatte sein Vater diese unverwechselbare Präsenz.

„Wir müssen in die ersten Reihen“, fügte sein Vater hinzu, diesmal mit einem Anflug von Schärfe in seiner Stimme, als wolle er die Unausweichlichkeit der Situation betonen. „Ich will das sehen – aus nächster Nähe.“

Jack wusste, dass es keine Grausamkeit war, die aus den Worten sprach, sondern ein fast ehrfürchtiges Interesse. Sein Vater wollte sehen, wie er sich diesem Moment stellte – nicht, um ihn zu richten, sondern um Zeuge seiner Stärke zu sein.

Jack Senior drehte sich um, seine Bewegungen ruhig und kontrolliert, und verließ den Raum. Candy folgte ihm, ihre Absätze klackten leise auf dem Boden, während sie Jack ein aufmunterndes Lächeln zuwarf.

Als die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel, blieb Jack einen Moment reglos stehen. Er atmete tief durch, spürte, wie sein Herz ruhig und kraftvoll in seiner Brust schlug. Sein Begleiter, der Mann im makellosen Anzug, zeigte keine Regung. Er öffnete die nächste Tür, die in einen langen, grell beleuchteten Korridor führte.

„Es ist Zeit. Wir müssen“, sagte er mit der gleichen ruhigen, emotionslosen Stimme wie zuvor.

Jack trat vor, seine Haltung aufrecht, seine Schultern straff, jede Bewegung präzise. Sein maßgeschneiderter Anzug saß perfekt auf seinem durchtrainierten Körper, als wäre er eine Rüstung für diesen Moment. Sein Kiefer war angespannt, doch seine Augen strahlten Entschlossenheit aus. Die Schritte durch den leeren Korridor hallten wider, ein gleichmäßiger Rhythmus, der die Spannung in der Luft noch verstärkte.

Am Ende des Korridors blieb Jack stehen. Vor ihm lag die letzte Tür, durch die ein blendendes Licht fiel, das den Raum dahinter verhüllte. Der Moment war gekommen, doch Jack wartete. Er drehte den Kopf leicht zu seinem Begleiter, der ruhig an seiner Seite stand, als wäre dies nur ein weiterer Tag in seinem Leben. Er war bereit, zumindest dachte er das. Sein Atem war ruhig, sein Körper angespannt, doch in seinem Inneren war es laut – ein Sturm aus Gedanken, Erinnerungen und Erwartungen. Der Begleiter, der stets emotionslos wirkte, trat einen Schritt näher, legte seine Hand fest auf Jacks Schulter und hielt ihn zurück. „Noch nicht“, sagte er mit ruhiger Stimme. Das weiße Headset an seinem Ohr blinkte leicht, und für einen Moment verharrte er, als lausche er einer fernen Stimme. „Es dauert noch ein paar Minuten, bis es so weit ist“, fügte er hinzu, seine Hand blieb fest, aber nicht unangenehm auf Jacks Schulter.

Jack nickte kaum merklich, straffte seine Schultern und schloss die Augen. Die Dunkelheit hinter seinen Lidern war beruhigend, ein Ort, an dem er die Geräusche um sich herum ausblenden konnte. Um seine Nerven zu beruhigen, begann er sich zu erinnern – an den Anfang von allem.

Und während Jack sich erinnerte, wartete – nur durch ein paar Wände und ein Gewirr von Kabeln von ihm getrennt – eine Frau, die er gleich zum ersten Mal sehen würde. Auch Claras Raum war kahl und kühl, ein Warteraum, der sich anfühlte wie eine Zelle, und in gewisser Weise war er genau das. Sie saß in ihrem Brautkleid auf einem harten Stuhl, die Hände im Schoß gefaltet, und horchte auf das dumpfe Dröhnen des Publikums, das durch die Wände drang wie aus einer anderen Welt.

Auch sie hatte ihre Zweifel, und jetzt, wo es kein Zurück mehr gab, kamen sie mit voller Wucht. In wenigen Minuten würde sie einen Mann heiraten, den sie nie gesehen hatte – live, vor Millionen Fremden. Was, wenn er grausam war? Was, wenn sie sich, wieder einmal, in das Falsche stürzte? Eine leise Stimme in ihr fragte, ob sie den Verstand verloren hatte.

Sie hatte seit Wochen nicht mehr richtig geschlafen. Nachts lag sie wach und rechnete dieselben Zahlen, die nie aufgingen; tagsüber schleppte sie eine Müdigkeit mit sich, die tiefer saß als jede Erschöpfung – die Müdigkeit eines Menschen, dem langsam der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Die Angst hatte sich längst in ihrer Brust eingenistet wie ein zweites, zu schnelles Herz. Es war keine Nervosität mehr und kein Lampenfieber. Es war nackte Existenzangst, die ihr seit Wochen den Schlaf und manchmal die Luft nahm.

Schon seit Wochen zuckte sie jedes Mal zusammen, wenn das Telefon klingelte und eine Nummer aufleuchtete, die sie nicht kannte. Wieder ein Geldeintreiber, dachte sie dann, und manchmal ließ sie es einfach läuten, bis es verstummte – was die Sache nie besser machte. Die Briefe und Mahnschreiben kamen längst täglich, manche im strengen Grau der Behörden, manche im kalten Weiß der Anwaltskanzleien, und jeder einzelne von ihnen schraubte die offenen Forderungen ein Stück höher. Mahngebühren, Verzugszinsen, Inkassokosten – Zahlen, die wuchsen, ganz gleich, was sie tat.

Und ob dieser Weg der richtige war, bezweifelte sie mit jeder Faser – doch am Ende jedes Gedankens stand dieselbe Wand. Sie dachte an die Anrufe der Bank, die in den letzten Wochen immer kürzer und kälter geworden waren. An den Exekutor, der bereits durch das Haus ihrer Tante gegangen war und mit teilnahmsloser Miene seine Aufkleber auf die Möbel ihrer Eltern geklebt hatte. An die Zwangsversteigerung, die heranrückte wie eine Flut. Sie hatte jede Zahl gedreht, jede Bank abtelefoniert, jede Tür ausprobiert – und alle hatten sich geschlossen. Diese eine nicht. Zog sie es nicht durch, verloren ihre Eltern, alt und müde, das Dach über dem Kopf. So gnadenlos war die Rechnung. Sie stand mit dem Rücken zur Wand, und der einzige Weg führte nach vorn – durch jene letzte Tür.

Auch zu Clara trat jemand mit einem Headset, drückte ihr beruhigend die Schulter und sagte etwas, das fast wortgleich klang wie das, was man Jack gesagt hatte: „Gleich, Clara. Nur noch einen Moment.“ Sie nickte und schloss die Augen, während draußen die Menge dröhnte. Zwei Menschen, getrennt durch eine Glaswand, die noch gar nicht stand, beide auf dem Weg zu einer Hochzeit, die sich für jeden von ihnen anfühlte wie ein Gang zum Schafott. Wie sie an diesen Punkt geraten waren – ihre Geschichte begann lange vorher. Seine zuerst.

Kapitel 2: Der Sommer ohne Plan

Neugierig, wie es weitergeht?

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